Leserbrief in der Wetterauer Zeitung Jan. 2007

Mehr Menschlichkeit anstelle von Bürokratie

Von der Schwierigkeit, vor Weihnachten einen Bestattungstermin zu erhalten

Am 15. Dezember verstarb mein Sohn, gerade mal 19 Jahre alt, bei einen Verkehrsunfall. Erst am Montagnachmittag wurde unser Sohn zur Bestattung freigegeben. Unser Wunsch war, ihn noch vor Weihnachten seine Ruhe finden zu lassen.

Das gestaltete sich aber durch Arbeitszeit und Weihnachtsfeier in unserer Gemeinde sehr schwierig. Donnerstagnachmittag ging am Anfang nicht, dann doch ausnahmsweise, da die Bediensteten an diesem Tage Weihnachten feiern wollten, und freitags will man ja pünktlich Feierabend machen. Also spätestens um 10.30 Uhr, dann doch noch um 11 Uhr, aber danach ging nichts. Donnerstagnachmittag war aus physischen, psychischen und organisatorischen Gründen unsererseits einfach nicht zu schaffen. Die persönlich vorgetragene Bitte an unseren »Bürger«-meister, uns doch eine Ausnahmegenehmigung für den Freitagnachmittag zu erteilen, sodass auch unserer weiter weg lebenden Verwandtschaft mit noch jüngeren Kindern die Möglichkeit gegeben wird, von meinem Sohn in Ruhe Abschied nehmen zu können, scheiterte kläglich.

Die zusätzliche Information, dass ich an diesem Tage auch noch Geburtstag hätte und dass dieser Tag schon schmerzlich genug für mich sei, erreichte unseren »Bürgermeister emotional nicht. (Leider darf nur der »Bürger«-meister eine solche Ausnahmegenehmigung erteilen, üblicherweise ist das problemlos möglich, aber nicht in Echzell, da macht er keine Ausnahme, komme, was da wolle).

Das Angebot, entstehende öffentliche Mehrkosten zu übernehmen, wurde aus prinzipiellen Gründen abgelehnt. Äußerungen wie: »von München mit dem Zug dauert es nur vier Stunden« (mit drei Kindern) und zu meinem jüngerem Sohn: »er solle sich nicht so echauffieren«, nachdem er, in Tränen ausbrechend, etwas lauter zu ihm sagte, er könne sich doch überhaupt nicht vorstellen, wie das wäre, plötzlich nachts die Nachricht zu erhalten, dass sein Bruder tödlich verunglückt sei, sind nur einige Äußerungen, die mir in Erinnerung geblieben sind.

Solche Äußerungen in einer so schmerzlichen Stunde kann ich weder nachvollziehen noch begreifen, vor allem, weil unser »Bürger«meister selbst eigene Kinder in diesem Alter hat.

Überall fallen die Ladenöffnungszeiten, nur damit man auch noch um 22 Uhr oder noch später einkaufen kann. Früher verhungerte man auch nicht, wenn man seine Einkäufe bis um 18 Uhr erledigen musste. Aber bei unseren Behörden stößt man auf unbarmherzige, taube Ohren, wenn es doch um viel emotionalere, schmerzlichere und seltenere Ereignisse geht.

Mein Wunsch für die Zukunft wäre, mehr Menschlichkeit und Rücksicht in solchen Situationen von unseren »Bürger«-meister gegenüber seinen Mitbürgern.

In Gedenken an unseren Sohn, den wir viel zu früh verloren haben.

Angelika Kuntz, Echzell

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